Neurodermitisforschung: Kratzen steckt an

Wenn wir jemand anderen beim Gähnen beobachten, müssen wir auch gähnen. Derselbe Effekt konnte nun auch beim Kratzen beobachtet werden. Ein Forscherteam um Gil Yosipovitch vom Wake Forest Baptist Medical Center in Winston-Salem beobachtete in einer Studie Gesunde und Neurodermitis Patienten. Dabei war der Kratz-Effekt bei Menschen mit Neurodermitis viel stärker ausgeprägt. Die Wissenschaftler hoffen nun, aus den Studienergebnissen Methoden zu entwickeln, mit denen das Bedürfnis, sich zu kratzen, reduziert werden kann.

Die Studie

An der Studie nahmen 14 Gesunde und 11 Patienten mit Neurodermitis teil. Bei Patienten mit Neurodermitis kommt es zu starkem Juckreiz. Dabei entsteht ein Teufelskreis, weil die Betroffenen ständig das Bedürfnis haben, sich kratzen zu müssen. Dadurch wiederum wird der Juckreiz verstärkt. Allen Teilnehmern der Studie wurde Histamin – welches an der Entstehung von Allergien beteiligt ist – oder eine salzhaltige Lösung auf den Unterarm getropft. Anschließend sahen sich die Teilnehmer kurze Videos an, in denen sich jemand kratzte oder ruhig dasaß. Danach wurden die Teilnehmer beobachtet und selbst auf Video aufgenommen.

Die Ergebnisse

Die Teilnehmer kratzten sich häufiger, wenn sie zuvor eine Person beim Kratzen beobachtet haben. Dies geschah auch dann, wenn sie nur eine Salzlösung auf den Arm bekommen hatten. Zudem kratzten sich die Teilnehmer nicht nur am Arm, sondern am ganzen Körper, ungeachtet dessen, wo sich die Person in dem Video gekratzt hatte. Befragungen haben außerdem ergeben, dass der Juckreiz, der durch das Histamin ausgelöst wurde, als intensiver empfunden wurde. Alle Kratz-Reaktionen waren bei den Patienten mit Neurodermitis stärker ausgeprägt als bei der Kontrollgruppe. „Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass wir uns ziemlich leicht suggerieren lassen, es würde jucken“, sagt Alexandru Papoiu, einer der Co-Autoren der Studie. So genügt offenbar allein der Anblick einer sich kratzenden Person, um eine starke Reaktion im zentralen Nervensystem auszulösen.

Ausblick: Methoden, den Juckreiz zu kontrollieren

Nun wollen die britischen Forscher untersuchen, was im Gehirn beim Anblick von Kratzen geschieht. Hierfür zeichnen sie die Gehirnaktivität der Teilnehmer mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) auf. So hoffen sie, die Kratzreaktion besser verstehen zu können. Anschließend könnten Techniken, Medikamente oder Entspannungsmethoden entwickelt werden, die für eine Verringerung der Hirnaktivität, welche für das Kratzen verantwortlich sind, sorgen.

Die Forschungsergebnisse wurden „The British Journal of Dermatology“ veröffentlicht.

Quelle: wissenschaft.de


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