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Bauer bei der Arbeit

Berufsallergien beim Landwirt

Für manche ist der Beruf des Bauern ein Alptraum: in aller Hergottsfrühe aufstehen, ständig von Dreck und Schmutz umgeben zu sein und letzendlich auch das Töten von Tieren, dazu harte körperliche Arbeit. Für andere hingegen ist die Arbeit in der Natur, mit Tieren ein wahrgewordener Traum. Wie kaum ein anderer Beruf verlangen die Aufgaben des Landwirten hohe körperliche und psychische Beanspruchung; jederzeit: High-Tech Maschinen und Fahrzeuge, die stets hoch konzentriert gesteuert werden müssen, Knochenarbeit, die den ganzen Körper fordert, viele verschiedene Tiere und nicht zuletzt die Vielzahl an potenziellen Allergenen machen den Beruf zu einem der gefährlichsten überhaupt.

 

Vielfältige Allergene und Allergien

Kaum ein anderer Beruf ist so vielen verschiedenen Allergene ausgesetzt. Die häufigsten in der Übersicht:

  • Tiere selbst und deren Haare (Rinderhaare)
  • Medikamente (Züchtung von Tieren)
  • Pflanzen, allen voran Weizen
  • Schimmelpilze
  • Milben, besonders Vorratsmilben
  • Futtermittel und Dünger
  • Pollen und Staub

Durch die tägliche Arbeit im Stall werden viele Allergene viele Stunden lang eingeatmet. Da verwundert es nicht, dass Atembeschwerden (Asthma, Farmerlunge, Rhinitis) besonders häufig vorkommen. Aber auch Symptome der Augen, Beschwerden im Bereich der Nase sowie Hauterkrankungen sind zu beobachten.

Neues altes Problem

Fast könnte man meinen, dass Bauern schon immer raue Hände und eine dauer-verschnupfte Nase hatten. Irgendwie entspricht das ja auch dem Stereotyp des robusten Farmers. Tatsächlich waren Allergien nie ein Thema unter Bauern und Forschern. Daran hat sich in den vergangenen Jahren Einiges geändert, was sich in einem erheblichen Anstieg der allergischen Erkrankungen zeigt. Aufgrund einer intensiveren Forschung und einer hohen Medienpräsenz werden so manche Atembeschwerden nicht etwa als chronische Bronchitis abgetan sondern können als berufsbedingte Probleme verstanden werden. Allergien führen mittlerweile die Liste der Berufskrankheiten in der Landwirtschaft an.

Anerkannte Berufskrankheit: Farmerlunge

Zu einer der häufigsten Berufskrankheiten in der Landwirtschaft gehört die Farmerlunge, auch als Dreschfieber oder Drescherkrankheit bezeichnet. Hierbei handelt es sich um eine schwere allergische Reaktion, die durch bestimmte Bakterien ausgelöst wird. Die Krankheitserreger finden sich vornehmlich in schimmligem Heu und Stroh, Getreide, sowie in verschimmeltem Obst und Gemüse. Hier tummeln sich Bakterien (thermophile Aktinomyeceten), die sich beim Einatmen in den Bronchien und Lungenbläschen ablagern. Werden die Bakterien wiederholt eingeatmet, können sich die Lungenbläschen entzünden, das Lungengewebe kann sich vernarben. Die Langzeitfolgen sind Atembeschwerden, Erhöhung des Blutdrucks und eine Belastung des Herzens. Die Farmerlunge wird durch typische Stallbedingungen begünstigt. Enge, schlecht belüftete Ställe in Kombination mit feuchtkaltem Wetter sind ideal, um Schimmel entstehen zu lassen. Auch das typische Zusammenpressen des Heus zu Ballen fördert die Entstehung der krankmachenden Bakterien. Studien haben herausgefunden, dass meist Bauern zwischen 40 und 50 an einer Farmerlunge erkranken.

  • Die Beschwerden in der Anfangszeit: Reizhusten, Atemnot bei Belastung, Grippegefühl, Schüttelfrost, Fieberschübe, Kopf- und Gliederschmerzen (in den Abendstunden und nachts)
  • Im weiteren Verlauf: Atemnot, allgemeine Abgeschlagenheit, rasche Ermüdbarkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, starkes Schwitzen, Schmerzen im Brustkorb

Kleiner Bauernhof – kleine Allergiegefahr?

Polnische Forscher fanden heraus, dass die Arbeiten auf kleinen nicht spezialisierten Bauernhöfen offenbar vor der Entwicklung berufsbedingter Allergien und allergisch bedingter Atemwegsbeschwerden schützen. In Polen sind die Mehrzhl der Bauernhöfe kleine Betriebe mit nur wenigen Tieren unterschiedlicher Art. Zwar herrscht auch hier eine Sensibilisierung gegenüber Weizen und Vorratsmilben, jedoch sind Beschwerden der Atemwege kaum vorgekommen. Untersucht wurden 200 polnische Landwirte, etwa 100 davon in einer Kontrollgruppe ohne jegliche Beschwerde

Beratung

Sollte Ihr Arzt eine berufsbedingte Erkrankung festgestellt haben, sollten Sie sich an die zuständige landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft (LBG) wenden. In Deutschland gibt es acht regionale Anlaufstellen. Hier können Sie prüfen lassen, ob die Voraussetzungen für die Anerkennung erfüllt sind und welche finanziellen Hilfen Ihnen zustehen, wenn Sie den Beruf des Landwirtes nicht mehr ausüben können.

Schutzmaßnahmen oft nicht angenommen

Es gibt zahlreiche Maßnahmen, um sich vor den Allergenen zu schützen. So können bei der Arbeit im Stall Atemschutzmasken aufgesetzt werden. Nach der Arbeit sollte die Kleidung gewechselt und die Haare gewaschen werden, um die Allergene nicht ins Haus zu tragen. Auch spezielle wasserdichte Schutzanzüge verhindern den Kontakt mit den krankmachenden Allergenen. Diese sind zudem von Berufsgenossenschaften und Krankenkassen anerkannt.


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