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Die Pusteblume könnte bald zum wichtigsten Rohstoff des 21. Jahrhunderts avancieren. Autoreifen, Schnuller, ja sogar Kondome könnten bald aus dem Milchsaft des Unkrauts hergestellt werden. Diese Hoffnung hegen Forscher der Universität Münster. Sie haben jenes Enzym entdeckt, das für die schnelle Gerinnung der milchigen Flüssigkeit sorgt, die sich im Inneren der Pflanze befindet. Mithilfe der Gentechnik konnte es ausgeschaltet werden, sodass der Löwenzahnsaft frei fließen kann.
Rund 40.000 Alltagsgegenstände werden aus Latex oder seinem natürlichen Verwandten Kautschuk gefertigt. Bevor es aber wirklich Badeenten aus Löwenzahn-Kautschuk kaufen kann, dürften noch viele Jahre ins Land ziehen. „Das sind Prozesse, die nicht von heute auf morgen gehen“, sagt Prof. Dirk Prüfer vom Institut für Biologie und Biotechnologie der Pflanzen. Eine Schwierigkeit stellt etwa die Tatsache dar, dass der gentechnisch veränderte Löwenzahn nicht auf freien Feldern angebaut werden darf. Nun soll erst eine Sorte mit dem nicht-gerinnenden Milchsaft gezüchtet werden.
Bisher stammt Kautschuk hauptsächlich vom südostasiatischen Gummibaum. Dieser ist jedoch von Pilzbefall bedroht, außerdem lassen wachsende Märkte die Nachfrage steigen, dies resultiert in einer Preissteigerung. Die Forscher sind sich aber sicher, dass der Gummibaum als Kautschuklieferant nie vollständig ersetzt werden wird. „Wenn wir den europäischen Markt und da bestimmte Bereiche, die das auch Nachfragen, mit 10 bis 20 Prozent vielleicht mal decken, dann ist das schon ein großes Ziel für die nächsten zehn Jahre“, erklärt Christian Schulze Gonover vom mitbeteiligten Fraunhofer Institut in Aachen.
Auch Kondome könnten aus Löwenzahn gefertigt werden. In einer ersten Studie wurde deutlich, dass der Pusteblume-Kautschuk keine Allergien auslöst – wie es beim Gummibaum-Kautschuk der Fall ist. Allerdings könne sich eine Allergie auch noch nach Jahren entwickeln. Hier fehlen noch Langzeitstudien.
Die deutschen Wissenschaftler sind nicht die Ersten, die das Potential des Löwenzahns entdeckt haben. Schon in den 1930er Jahren untersuchten russische Forscher die Kautschukgewinnung aus der Pusteblume. Nazi-Wissenschaftler knüpften an deren Ergebnisse an. So gab es rund um das Konzentrationslager Auschwitz in Polen es riesige Löwenzahnfelder. Das Unkraut musste zu Forschungszwecken von den Häftlingen geerntet werden.
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