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Alternative Allergietherapie
Wurmtherapie schon im Kindesalter?

Allergietherapie der Zukunft? Was Darmwürmer bewirken

Zugegeben, es ist eine eklige Vorstellung. Statt einer Spritze bekommt man ein Glas mit Wurmeiern ausgehändigt, die man schlucken soll. Ziel: Heilung der Allergie. Doch viele verschiedene Studien belegen den Effekt der Darmwürmer. Mehr noch, bei Morbus Crohn werden sie bereits erfolgreich eingesetzt. Gehört die Wurmpille bald zum Standard in der Allergietherapie?

Wie Würmer das Immunsystem trainieren

Die Anzahl der Darmwürmer nimmt dank hoher hygienischer Standards ständig ab, kaum ein deutsches Kind ist noch mit Parasiten befallen. Die Anzahl der Allergien steigt mit jedem Jahr. Dass da durchaus ein Zusammenhang besteht, verdeutlichen folgende Tatsachen. In Afrika spielen allergische Erkrankungen keine Rolle, hier gehören aber Wurminfektionen noch zum Alltag. Die flächendeckende Entwurmung von Kindern in Gabun führte zu einer Zunahme an allergischen Reaktionen gegenüber Hausstaubmilben.

Parasiten sind ein optimaler Trainingspartner des Immunsystems. Ein keimarmer Körper hat ein sehr reizbares Immunsystem. Das Zusammenleben Wurm und Mensch hat zu einer cleveren Zellkommunikation geführt. So dämpft die Infektion mit dem Wurm die Abwehrmechanismen. Der Wurm überlistet quasi das Immunsystem, da er einerseits nicht getötet werden will, andererseits den Wirt aber nicht schädigen will.

Neue Studie belegt den Nutzen der Darmwürmer

Britische Forscher der Universität Edinburgh fanden jetzt heraus: Darmwürmer beeinflussen das Immunsystem des Wirts, in dem sie sich befinden. Sie sichern sich so ihr eigenes Überleben und dämpfen so ebenfalls die Immunantwort. Im Normalfall versucht der Körper Eindringlinge und Parasiten abzuwehren. Zu diesem Zweck nutzt er unterschiedliche Immunreaktionen, die auf den jeweiligen „Feind“ abgestimmt sind. Um nicht selbst bekämpft zu werden, übermitteln Darmwürmer dem Wirtsorganismus biochemische Signale. Diese rufen spezielle Immunzellen (T-Zellen) auf den Plan, die dafür zuständig sind, die Immunabwehr in Schach zu halten. Da Allergien auch eine Immunreaktion darstellen, werden sie durch die Wurmsignale ebenfalls gedämpft. "Wir haben einen neuen Signalweg entdeckt, durch den Wurmparasiten regulatorische T-Zellen stimulieren können", betont Rick Maizels von der University of Edinburgh.

Zuvor hatten die Forscher Mäusen mit Darmwürmern namens Heligmosomoides Polygyrus infiziert.

Die Studienergebnisse können im Fachmagazin „Journal of Experimental Medicine“ nachgelesen werden.

Heuschnupfentherapie mit Bandwürmern

Bereits 2001 behandelte der japanische Arzt Koichiro Fujita seinen Heuschnupfen mit drei Bandwürmern, und das erfolgreich. Zwar ragten die zehn Meter langen Würmer teilweise aus seinem Enddarm, aber diese Enden schneide er einfach ab, erklärte der Arzt damals.

Alternative Allergie-Therapie mit dem Schweinepeitschenwurm

Etwas weniger eklig ist die Therapie mit den Wurmeiern des Schweinepeitschenwurms. Eine Hamburger Pharmafirma hat die Würmer im Angebot und verschickt sie weltweit. Mit den Eiern, die sich übrigens nicht im Darm vermehren, sondern nach zwei Wochen einfach absterben, wird bisher Morbus Crohn behandelt. Auch hier liegt die Ursache in einer gestörten Immunabwehr. Bislang muss der Patient die Therapie noch selbst bezahlen, für 2500 Wurmeier werden etwa 300 Euro fällig.

Die Zukunft: Die Allergiespritze

Immunologen haben bereits einige Eiweiße der Würmer identifiziert, von diesen könnte die allergieschützende Wirkung ausgehen. Wenn man diese Substanzen isolieren kann, wäre eine Wurmpille bald möglich. Nebenwirkungen der Wurmtherapie (bei Morbus Crohn) sind ein veränderter Stuhl, auch schlagen Impfungen nicht mehr so gut an. Das Ziel ist es, die Kinder mit allen nötigen Impfungen und anschließend mit der Wurmspritze auch gegen Allergien zu immunisieren.


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