Bislang durften Arzneimittel mit dem Cannabis-Wirkstoff THC auch in Deutschland verschrieben werden, allerdings handelte es sich bei den wirksamen Substanzen um synthetisch nachgeahmtes THC. So konnten sich Krebspatienten etwa das Medikament "Dronabinol" verschreiben lassen - zu einem Preis von 500 Euro für 150 Milliliter. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft "Cannabis als Medizin" dürfen derzeit nur 40 Patienten Cannabis-Medikamente aus der Apotheke beziehen.
Die Bundesregierung hat sich darauf geeinigt, dass Cannabis im Rahmen des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) neu eingestuft werden soll. Demnach darf dann natürliches THC zu medizinischen Präparaten verarbeitet werden. Einer Heilsalbe gegen Kontaktallergien steht damit theoretisch nichts mehr im Weg.
Im Rahmen einer Studie der Universitätsklinik Bonn um die Forscherin Meliha Karsak entdeckten die Wissenschaftler, dass körpereigene Cannabinoide Immunreaktionen auf Allergene verlangsamen. Als Cannabis-Salbe eingesetzt, könnten so allergische Hautreaktionen verbessert werden.
Seit etwa 20 Jahren weiß man, dass der Körper selbst cannabisähnliche Botenstoffe (sogenannte Endocannabinoide) herstellt. Diese docken an denselben Nervenstellen an, wie die berauschenden Substanzen aus dem echten Hanf. Warum es solche Andockstationen überhaupt gibt, war bislang nicht bekannt.
In Experimenten mit Mäusen fiel den Forschern auf, dass jene Mäuse häufiger Allergien bekamen, denen diese Cannabinoid-Häfen fehlen. In weiteren Versuchen lösten die Wissenschaftler bei den Nagern gezielt Kontaktallergien aus. Gleichzeitig blockierten sie die Cannabinoid-Andockstellen. Heraus kam, dass jene Mäuse mit den blockierten Stationen viel stärker auf Allergene reagierten als ihre Artgenossen mit nicht blockierten Häfen. Zudem zeigten Mäuse mit einer erhöhten Konzentration von Endocannabinoiden deutlich weniger Hautallergien.
Die Forscher schließen daraus, dass die körpereigenen Cannabinoide entsprechende Erkennungsstellen der Hautzellen aktivieren und so die Immunreaktionen auf die Allergene verlangsamen. Dieselbe Wirkung wie die körpereigenen Cannabinoide hat THC aus echten Cannabispflanzen. „Wenn wir den allergischen Tieren eine THC-Lösung auf die Haut pinselten, fiel die Schwellung deutlich geringer aus“, erklärt Thomas Tüting, einer der Mitautoren der Studie. Er schlägt außerdem vor, Cannabis-Salben zur Behandlung von allergischen Ekzemen und Kontaktallergien zu verwenden. Eine solche medizinische Salbe hätte keine berauschende Wirkung, dafür wäre die Konzentration viel zu gering.
Eine Heilsalbe gegen Neurodermitis oder Nickelallergie? Zukunftsmusik? Ganz im Gegenteil. Anfang des letzten Jahrhunderts bis in die 30-er Jahre hinein gab es solche Salben tatsächlich in der Apotheke. Denn schon seit vielen Jahrhunderten gehören Extrakte aus der Cannabis-Pflanze zum essenziellen Bestandteil der Volksmedizin und werden beispielsweise gegen Entzündungen eingesetzt. Da Cannabis appetitanregend wirkt, wird es in den USA erfolgreich bei Chemotherapie-Patienten und Magersucht-Kranken eingesetzt. Deutsche Betroffene müssen hingegen sehr lange mit Behörden, Ärzten und Krankenkassen um die Nutzung von Cannabis-Medizin kämpfen.
Daneben soll THC bei einer Reihe weiterer Beschwerden hilfreich sein. Etwa bei Menstruationsschmerzen, Kopfschmerzen, Hämorrhoiden oder Halsentzündungen. Aufgrund der berauschenden Wirkung des Inhaltsstoffs THC verschwand die Salbe in den 30-er Jahren aus den Regalen.
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