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Allein wegen Allergie?

Sozialer Rückzug wegen Allergie: Den Weg nach vorn antreten

Fast jeder Dritte leidet unter einer Allergie. Dennoch ist der öffentliche Umgang mit dem Thema noch ungenügend. Lebensmittelallergiker werden schnell als Hypochonder abgestempelt, Neurodermitis-Betroffenen schlägt gar Ekel entgegen, weil das Umfeld meint, die roten Stellen seien ansteckend. Dass sich da bei vielen Betroffenen Traurigkeit einstellt, ist nicht verwunderlich. Einige Betroffene ziehen sich aus Angst vor peinlichen Situationen immer mehr zurück, die Depression droht.

Angst vor der Möhre – die Sorgen der Lebensmittelallergiker

Restaurantbesuche mit Freunden, Essen in der Kantine, oder der schnelle Snack für den kleinen Hunger – Tätigkeiten, die für uns selbstverständlich zum Alltag gehören, werden für Lebensmittelallergiker leicht zum Spießrutenlauf. Essen ist ein Gemeinschaftserlebnis. Wer da nicht mitmacht oder sein eigenes Essen mitbringt, wird schnell zum Außenseiter. Studien zeigen deutlich, dass Menschen mit einer Allergie auf Eier und Co. eine niedrigere Lebensqualität aufweisen als Nicht-Betroffene. Sie fühlen sich hilflos angesichts ihrer Erkrankung, beschäftigen sich ständig mit ihrem Körper und schränken ihre sozialen Kontakte ein. Nahrungsmittelallergiker haben einen viel höheren subjektiven Stress-Level und suchen sich auch viel öfter psychosoziale Unterstützung als Allergiker, die auf andere Stoffe überreagieren. „Das kann dazu führen, dass Allergiker mehr und mehr Einladungen ablehnen und sich zunehmend aus sozialen Situationen zurückziehen, getrieben von der Angst vor möglichen Symptomen wie juckendem Hautausschlag oder unangenehmen Magen-Darm-Beschwerden“, sagt Arne Menzdorf von myAllergo.

Leben mit Neurodermitis: Schulungen des Umfelds wichtig

Besonders bei chronischen Hauterkrankungen wie der Neurodermitis besteht das Risiko der sozialen Ausgrenzung. Hier ist die Erkrankung offensichtlich, das ständige Jucken schafft Distanz. Hinzu kommt meist Unwissenheit und die Angst vor Ansteckung. Den Betroffenen schlägt eine Mischung aus Ablehnung und Ekel entgegen. Hier hilft meist ein offensiver Umgang mit der Krankheit, Freunde, Kollegen und den Chef zu informieren, schafft Vertrauen und vermindert die Ausgrenzung. Patientenschulungen helfen zusätzlich den Umgang mit dem Umfeld zu erlernen. Erkundigen Sie sich nach speziellen Schulungsprogrammen.

Wenn die Allergie traurig macht: Über die Wechselwirkung von Allergie und Depression

Zwischen Allergien und Depressionen besteht eine Wechselwirkung, die man nicht vernachlässigen sollte. Einerseits können bestehende allergische Erkrankungen durch anhaltenden negativen Stress verstärkt werden. Bei Asthma, Neurodermitis und Heuschnupfen ist der Einfluss der Psyche auf den Krankheitsverlauf mittlerweile sogar durch Studien bewiesen worden. Auf der anderen Seite kann bei einem schweren Allergie-Verlauf die Psyche so stark belastet werden, dass sich eine Depression entwickelt.

Der spinnt doch: Die eingebildete Krankheit

Allergische Beschwerden werden oftmals noch immer als psychosomatisch wahrgenommen Selbst Ärzte nehmen Patienten nicht ernst und verschreiben eine Psychotherapie. Zwar stimmt, dass anhaltender seelischer Stress zu körperlichen Beschwerden führen kann (psychosomatisch), jedoch hat eine Allergie immer eine körperliche Ursache, die nachgewiesen werden kann.

Kinder in der Schule nicht ausgrenzen

Kinder sind grausam; und diese Volksweisheit kommt nicht von ungefähr. Besonders wenn Schulkameraden anders sind oder unter einer chronischen Erkrankung leiden, werden sie gemobbt und zu Außenseitern. Kranke Kinder haben es noch schwerer, soziale Anerkennung und Gruppenzugehörigkeit zu finden als gesunde. Das asthmatische Kind kann im Schulsport nicht mithalten oder darf gar nicht erst teilnehmen, Kinder mit Neurodermitis leiden unter starkem Juckreiz und sind auch sichtbar anders. Für die soziale Entwicklung und Aufnahme in die Gruppe wichtige Ereignisse wie Kindergeburtstage oder Schulausflüge werden oft zu traumatischen Erlebnissen, die den späteren Weg vorzeichnen. Betroffene Kinder ziehen sich zurück und spielen lieber zuhause als sich mit Klassenkameraden zu treffen. Dieser erzwungene Rückzug belastet Kinder oftmals mehr als die Allergie selbst. Hier ist es wichtig, schon früh vorzubeugen. Eltern und Lehrer sollten sich Strategien überlegen, wie die Kinder stärker integriert werden können, um dem Kind Normalität zu vermitteln. Ebenso wichtig ist es, dass das kranke Kind soweit wie möglich an schulischen Aktivitäten teilnimmt.

Soziale Hürden überwinden

„Es ist wichtig, dass Allergiker lernen, ihre Symptome anzunehmen und selbstbewusst damit umzugehen“, rät Dr. Arne Menzdorf. Anstatt Situationen pauschal zu vermeiden, Verabredungen abzusagen oder sogar Arbeitsstellen überstürzt zu kündigen, gilt es, Alternativen auszuloten: „Angestellte können gemeinsam mit ihrem Vorgesetzten überlegen, ob sie in einem anderen Bereich eingesetzt werden könnten. Auch die meisten Restaurants sind heute auf Allergiker eingestellt und suchen gemeinsam mit dem Gast nach einem verträglichen Gericht“, fasst Menzdorf zusammen.

Statt sich zurückzuziehen, gilt es aktiv den Kontakt zu anderen Betroffen zu suchen. Dies gelingt am besten über eine Selbsthilfegruppe. Hier finden Betroffene Hilfe, erhalten Tipps für den Alltag und Unterstützung. Sie lernen, dass sie mit ihrer Erkrankung nicht allein sind, und was noch wichtiger ist, auch die soziale Isolation wird so verhindert.


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