Laktoseintoleranz: Langsame Gewöhnung besiegt Unverträglichkeit

Die schrittweise Gewöhnung an Milchprodukte führt offenbar zu verminderten Beschwerden bei einer Laktoseintoleranz. Am besten stehen die Chancen auf völlige Beschwerdefreiheit dann, wenn Milchprodukte Schritt für Schritt eingeführt werden. Zu diesen Ergebnissen kamen Forscher der Mount Sinai School of Medicine, sie wurden im Fachblatt “Journal of Allergy and Clinical Immunology” veröffentlicht.

Im Rahmen der Studie untersuchten die Forscher 88 Kinder zwischen zwei und 17 Jahren, die an einer diagnostizierten Laktoseunverträglichkeit litten. Im Verlauf von fünf Jahren bekamen die Kinder unter ärztlicher Aufsicht nach und nach immer mehr milchhaltige Lebensmittel zu essen. Anfangs handelte es sich dabei um stark erhitzte Produkte, später durften die Kinder auch Lebensmittel konsumieren, die bei der Herstellung kaum erhitzt worden waren. Stark erhitzte Lebensmittel sind für Laktoseintolerante meist bekömmlicher.

In einem ersten Schritt wurde der Muffintest durchgeführt. Die Kinder mussten einen Muffin essen, der mit Kondensmilch gebacken worden war. Wer darauf nicht mit Beschwerden reagierte, hatte den Muffintest bestanden. Zu dieser Gruppe zählten etwa 75 Prozent der Kinder; sie mussten Kondensmilch schrittweise in ihre Ernährung integrieren. Die anderen Kinder, die den Muffin nicht vertragen hatten, sollten weiterhin auf Milchprodukte verzichten.

Nach sechs bis 12 Monaten mussten die Kinder, die den Muffintest bestanden hatten und zuhause Kondensmilch konsumiert hatten, einen zweiten Test bestehen. Die Kinder bekamen eine Käsepizza zu essen, der verwendete Käse enthielt größere Mengen Milchzucker. 78 Prozent der Kinder zeigte keine Reaktion auf die Pizza und sollten diesen Käse weiterhin zuhause konsumieren. Jene Kinder jedoch, die den Käse nicht vertragen hatten, sollten bei Backwaren bleiben, die mit Milch zubereitet waren.

Diese zweite Gruppe machte erneut den Pizzatest und durfte, wenn keine Unverträglichkeitsreaktionen auftraten, ebenfalls dauerhaft Käse essen. Nach drei Jahren fand der letzte Versuch mit jenen Kindern statt, die sowohl den Muffin- als auch den Pizzatest bestanden hatten. Sie durften Magermilch, Joghurt und Eis essen. Von den 65 Kindern, die die Tests bestanden hatten, vertrugen 60 Prozent der Kinder all diese Lebensmittel ohne Probleme.

„Diese Studie zeigt, dass viele Kinder mit Problemen Milchprodukte nicht komplett meiden müssen“, sagt Anna Nowak-Wegrzyn, Koautorin der Studie und Professorin für Pädiatrie, Allergie und Immunologie an der Mount Sinai School of Medicine. „Es ist auch ein ermutigendes Zeichen, dass mit einer guten medizinischen Überwachung Kinder viel schneller ihren Unverträglichkeiten entwachsen können.“

Quelle: Focus

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