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Gibt es die Glutamat-Unverträglichkeit überhaupt?

Das China-Restaurant-Syndrom oder die Glutamat-Unverträglichkeit entstand im Jahr 1968, mit einem Bericht des Wissenschaftlers Dr. Robert Ho Man Kwok im "New England Journal of Medicine". Kwok schrieb, dass er seltsame Symptome an sich beobachtete, und zwar immer dann, wenn er in einem chinesischen Restaurant gegessen hatte. Seine gesundheitlichen Beschwerden begannen immer 15 bis 20 Minuten nach dem Essen. Dazu gehörten Taubheitsgefühle am Hals, die nach und nach in beide Arme ausstrahlten, außerdem ein Schwächegefühl.

Er spekulierte, welche Zutaten für die Beschwerden verantwortlich gewesen sein könnten, er hatte neben Glutamat auch den hohen Salzgehalt und Alkohol im Verdacht. Jedoch stürzte sich die wissenschaftliche Welt sofort auf das Glutamat - die Glutamat-Unverträglichkeit war geboren.

Im Laufe der Jahre folgten viele Studien. Bis heute gelang es den Forschern nicht, Natriumglutamat als Auslöser der Symptome zu identifizieren. In kontrollierten Studien mit Betroffenen genossen diese abwechselnd glutamathaltige und -freie Speisen, ohne diese zu sehen. Die Beschwerden blieben aus. Traten dennoch Beschwerden auf, werden diese mit einer Allergie oder einer Nahrungsmittelunverträglichkeit in Verbindung gebracht. So sollen Zutaten wie Erdnüsse oder Garnelen für gesundheitliche Effekte verantwortlich sein. Zudem kann es durchaus sein, dass besonders hohe Mengen Glutamat Symptome wie Kopfschmerzen oder Unwohlsein auslösen.

Im Jahr 1988 untersuchten auch die Weltgesundheitsorganisation sowie die UN alle Studien und kamen zu dem Ergebnis, dass Glutamat keine Gefahr für die Gesundheit sei.

Interessant ist, dass die Glutamat-Unverträglichkeit hauptsächlich in Amerika und Europa ein Problem darstellt. In Ostasien, der Heimat von würziger Fisch- und Sojasoße, ist das Phänomen dagegen so gut wie unbekannt.

Glutamat kommt zudem nicht nur in Asia-Food vor, sondern sogar in gesunden Lebensmitteln wie Tomaten oder Pilzen. Auch in proteinreichen Speisen wie Fleisch und Fisch kommt es natürlich vor. In großen Mengen ist Glutamt sogar in der Muttermilch enthalten. So weisen 100 ml Muttermilch etwa 22mg Glutamat auf.

Die als Geschmacksverstärker eingesetzten Glutamatsalze sind mit der freien Glutaminsäure identisch, und diese finden sich im menschlichen Körper. Sie werden beispielsweise zur Zellteilung benötigt. Im Gehirn ist Glutamat ein Botenstoff, um Riech- und Geschmacksempfindungen weiterzuleiten.

Ein negativer Effekt von Glutamat konnte hingegen in einer Studie des britischen Ernährungsphysiologen Peter J. Rogers nachgewiesen werden. Glutamat wirkt appetitanregend. Nicht nur aßen die Probanden die Suppe mit Glutamat lieber, die Portionen waren auch größer. Der Hunger war nach dem Konsum schneller wieder da als bei den Studienteilnehmern, die kein Glutamat bekommen hatten.

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