
Pilze, Algen und auch Calcium gelten als Wunderwaffe gegen Allergien. Sie sollen in Form von Nahrungsergänzungsmitteln eingenommen werden und so vor einer Allergie schützen. Im Interview mit der "Pharmazeutischen Zeitung" beantwortet der Allergologe Prof. Dr. Thomas Fuchs von der Universitätsmedizin Göttingen Fragen zur allergievorbeugenden Wirkung von Calciumpräparaten. Er bezieht sich besonders auf die Sonnenallergie, von der zehn bis zwanzig Prozent der Sonnenanbeter betroffen sind.
Demnach kann eine bestehende Allergie durch die Einnahme von Calcium nicht gelindert oder deren Entstehung verhindert werden. Theoretisch ist es jedoch möglich, dass die durch das Sonnenlicht ausgelösten Reaktionen der Haut durch Calciumtabletten positiv beeinflusst werden können. Calcium könnte bei der sogenannten polymorphen Lichtdermatose möglicherweise eine Rolle spielen. Jedoch sei der Einfluss auf die Haut individuell sehr unterschiedlich.
Calcium ist hinsichtlich seiner allergievorbeugenden Wirkung sowie seiner therapeutischen Wirkung bedeutungslos geworden. Seit mehr als 30 Jahren spielt das Mineral in der medizinischen Praxis keine Rolle mehr. Prof. Dr. Fuchs betont, dass Calciumpräparate nicht in der Lage sind, allergische Reaktionen wie etwa Arzneimittelallergien, Insektengiftallergien, Heuschnupfen oder andere inhalative Allergien zu lindern oder zu verhindern.
Laut Prof. Dr. Fuchs gibt es keine streng wissenschaftlichen Studien, welche die antiallergene Wirkung von Calcium untersuchen. In den 1960er bis 1980er Jahre hinein wurde die vorbeugende Wirkung von Calcium jedoch vereinzelt untersucht. Das Ergebnis: Calcium wirkt nicht vorbeugend und kann auch allergische Reaktionen nicht lindern.
Eine Zeit lang wurde Calcium als Notfallmedikament betrachtet. Es sollte intravenös bei einem anaphylaktischen Schock gegeben werden. Diese Maßnahme sollte jedoch von Ärzten unterlassen werden, warnt der Allergologe. Wird der Patient nicht angemessen behandelt, droht sogar der Tod.
Prof. Dr. Fuchs empfiehlt Antihistaminika, um die Beschwerden einer Sonnenallergie oder des Heuschnupfens zu lindern. Wenn diese nicht wirken, sollten Patienten in Absprache mit dem Arzt Cortisonpräparate versuchen, die auf die Haut aufgetragen oder eingenommen werden.
Quelle: Pharmazeutische Zeitung online (Ausgabe 18/2011)
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