Allergiker sind Patienten 2. Klasse

Auf einer Pressekonferenz von drei Fachgesellschaften deutscher Allergologen in Berlin erheben die Gesundheitsexperten schwere Vorwürfe gegen die deutsche Gesundheitspolitik. Demnach werden Allergien immer mehr privatisiert, Allergiker sollen der gesetzlichen Krankenversicherung nicht weiter zur Last fallen. Es drohe ein Zusammenbruch der ärztlichen Versorgung von Allergikern.

So kritisieren die Allergologen die Entscheidungen der Gesundheitspolitik als auch der ärztlichen Selbstverwaltung in den letzten Jahren. Wichtige Medikamente wie Antihistaminika gegen Heuschnupfen müssten die Patienten aus eigener Tasche bezahlen, die Kosten werden von Krankenkasse nicht erstattet.

Hinzu kommt, dass seit 2008 neue Allergie-Testsubstanzen wie Medikamente zugelassen werden müssen. Dieses Zulassungsverfahren ist den Experten zufolge kompliziert, teuer und unnötig. Die Vergütungen für allergologische Arztleistungen hat ein Niveau erreicht, dass Praxen nicht mehr kostendeckend arbeiten können.

„Wir appellieren nachdrücklich an die Verantwortlichen in Politik und Gesundheitsadministration, das Steuer herumzuwerfen und Allergiker nicht weiter auszugrenzen“, betonte Prof. Harald Renz von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI).

Allergien werden immer noch als „Befindlichkeitsstörungen“ und nicht als ernsthafte Erkrankungen gesehen. „Gefährlich wird diese Sicht, wenn Kinder mit Heuschnupfen nicht mehr kompetent untersucht und behandelt werden. 30 bis 40 Prozent von ihnen können aber als Spätfolge ein Asthma bekommen“, erklärte Prof. Carl-Peter Bauer von der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA)

Ulrich Glatzer, Geschäftsführer des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (AeDA) rechnete vor, dass niedergelassene Ärzte allergologische Leistungen oft nicht einmal mehr kostendeckend erbringen können. Wenn ein Arzt beispielsweise einen allergologischen Hauttest durchführen muss, verbrauchen die Testsubstanzen das Budget, das andere Ärzte für ein ganzes Quartal für diesen Patienten zur Verfügung hätten. Bei weiteren allergologischen Erkrankungen desselben Patienten müssten diese gratis diagnostiziert und behandelt werden. Der Trend geht dahin, dass immer wenige Ärzte allergologische Leistungen anbieten.

„Bei angemessener Versorgung können Allergiker heute eine gute Lebensqualität genießen“, sagte Prof. Harald Renz, DGAKI. „Das heutige System aber produziert viele schwer kranke Langzeitpatienten. Es ist an der Zeit, Gesundheitspolitik und kassenärztliche Vereinigungen auf ihre Verantwortung dafür hinzuweisen.“

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Allergologie

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